Coole Naht: das Kühlsystem
Eine weitere Innovation des Ekonor-Verfahrens ist die Kühlung der Naht durch das Formiergas. Die Kälte des Formiergases – in diesem Fall Argon, bei minus 186° im Tank gespeichert – wird für den Kühlprozess genutzt. Dabei sorgt eine Steuerung für den gezielten Transport von Argon zur Wurzelseite. Die Temperatur ist im Bereich minus 160° bis 0° einstellbar.
Die Naht-Kühlung bietet mehrere Vorteile: Vorgegebene Zwischenlagentemperaturen werden zuverlässig eingehalten. Ohne Zeitverzug kann Lage auf Lage geschweißt werden. Bei heißrissempfindlichen Werkstoffen kann die Energieeinbringung reduziert und damit das Risiko deutlich verringert werden. Das tiefkalte Argon schließlich minimiert die Bildung der Wärmeeinflusszone und verhindert Anlauffarben. Die Korrosionsbeständigkeit wird dadurch erheblich verbessert. Dieser Effekt ermöglicht zusätzlich in vielen Fällen die Verwendung gängiger Stahlqualitäten und somit den Verzicht auf teure Spezialwerkstoffe. Die Kühlung lässt sich problemlos auf der Baustelle realisieren - das tiefkalt verflüssigte Gas wird in einem kleinen Tank bereitgestellt.
Zum Einsatz kommt das Kühlsystem z. B. bei dem sogenannten BUBI-Rohr, dem Werkstoff 1.4571 oder bei Duplex-Stählen, Vollausteniten und Nickelbasis-Werkstoffen.
Die in unserem Schweißtechnikum mit Kühlung geschweißte Probe eines Rohres aus dem Werkstoff 1.4571 lässt keine Wärmeeinflusszone erkennen. Das Gefüge des Schweißgutes geht direkt in den Grundwerkstoff über und weist in der Wärmeeinflusszone keine grobe Körnung auf. Der Korrosionstest hat gezeigt, dass der geschweißte Zustand der Naht nahezu den gebeizten Optimalzustand erreicht. Bei manueller Schweißausführung auf der Baustelle können im Einzelfall jedoch Anlauffarben auftreten.
