Befriedigendes Ergebnis trotz rezessiver Marktentwicklung
Trotz der rezessiven Marktentwicklungen und der Eskapaden an den Rohölmärkten erzielte die Westfalen AG erneut ein befriedigendes Ergebnis. Der Umsatz stieg im Konzern um 13,9 Prozent oder 188 Millionen Euro auf 1,531 Milliarden Euro.
Im FAZ-Ranking der größten deutschen Familienunternehmen, in dem unser Unternehmen erstmals vertreten ist, rangiert die Westfalen AG damit auf Platz 112. Auch der Jahresüberschuss und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sind deutlich gestiegen. Im Detail musste im Tankstellengeschäft ein leichter Ergebnisrückgang hingenommen werden, der allerdings durch bessere Ergebnisse bei Technischen Gasen und Westfalengas ausgeglichen wurde.
Technische Gase
Der Geschäftsbereich Technische Gase konnte Absatz, Umsatz und Ergebnis im In- und Ausland abermals steigern.
Wachstumsstärkste Produkte waren erneut die Spezialgase für die Lebensmittelindustrie, die Pharmazie und die Analytik. So erzielen wir mit den Lebensmittelgasen der Marke Protadur® ein Absatzplus von rund 30 Prozent.
Als Hersteller von Pharmagasen erfüllen wir die extrem hohen Anforderungen der pharmazeutischen Industrie. Die bei der Fertigung zum Einsatz kommenden Gase und Gasgemische müssen hinsichtlich Spezifikation und analytischer Qualitätsüberwachung die strengen Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs (EuAB) sowie die der US-amerikanischen (USP) und japanischen (JP) Ausgaben einhalten. GMP-konforme Produktion (Good Manufacturing Practice) und hohe Produktqualität sind wie die Dokumentation aller Details wichtige Merkmale der Pharmagase und machen ein zertifiziertes Qualitätsmanagement-System unverzichtbar.
Bei industriellen Anwendungen hatte unser Unternehmen erst in den letzten anderthalb Monaten des Jahres leichte Rückgänge zu verzeichnen.
Bei Kältemitteln haben wir unsere Marktführerschaft ausgebaut und erneut acht Prozent zugelegt. Starke Zuwächse gab es auch bei Wärmeträgern, die in der Geothermie und der Solarthermie eingesetzt werden.
Für die kommenden Jahre wurden die Weichen bereits gestellt: Mit der deutschen Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Praxair wurde ein langfristiger Liefervertrag abgeschlossen und für eine in Frankreich in Bau befindliche Luftzerlegungsanlage ist durch mehrere Lieferverträge die Grundauslastung bereits gesichert.
Westfalengas
Der Geschäftsbereich Westfalengas hat die Erwartungen vollständig erfüllt. Der Absatzrückgang bei Brenngas wegen des sehr milden Winters 2007/2008 wurde durch enorme Zuwächse bei Autogas (LPG) und im Streckengeschäft mehr als ausgeglichen.
2008 haben die 750 öffentlichen und betrieblichen Tankstellen, die mit Westfalen-Autogas versorgt werden, erstmals mehr als 100 Millionen Liter LPG abgesetzt. Bei einem Marktvolumen von rund 500 Millionen Litern hält die Westfalen AG also einen Marktanteil von über 20 Prozent und ist damit die Nr. 1 bei Deutschlands Alternativkraftstoff Nr. 1. Mit 72 eigenen Stationen bietet seit 2008 auch fast jede dritte Westfalen-Tankstelle Autogas an.
Erstmals gehören kommunale Energieversorger zu den Abnehmern von Westfalengas. Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit speisen zum Beispiel Stadtwerke bei Bedarfsspitzen im Winter Westfalengas in ihr Leitungsnetz ein. Außerdem konnten zwei große Ferienparks mit insgesamt 365 Wohneinheiten für Westfalengas gewonnen werden.
Vom hohen Preisniveau der fossilen Brennstoffe hat unser erst 2007 aufgenommene Vertrieb von solarthermischen Anlagen unter der Marke Solacept® profitiert. Im Vordergrund stand bisher der Aufbau der Vertriebsorganisation und die Suche und Schulung von Handwerksbetrieben als Montagepartner. Parallel wurden allerdings schon erste Anlagen für Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe sowie für Privathaushalte in Betrieb genommen.
Im aktuellen Jahr hat Westfalengas durch die vergleichsweise kalte Witterung einen guten Start hingelegt, und auch der Absatz von Autogas entwickelt sich planmäßig. Wir gehen deshalb davon aus, mit Westfalengas im laufenden Jahr alle Planziele in vollem Umfang zu erfüllen.
Tankstellen
Mit rund 250 Anlagen konnten wir 2008 unseren Marktanteil steigern. Während der Absatz von Kraftstoffen – ohne Autogas – bundesweit um 0,3 Prozent zurückging, stieg er an den Westfalen-Tankstellen um 1,5 Prozent. Um fast zehn Prozent wuchs der Umsatz. Neben der Absatzsteigerung sind dafür vor allem die extrem hohen Beschaffungskosten der ersten Jahreshälfte verantwortlich. In der Spitze kletterte dadurch der Preis für Superkraftstoff an den Westfalen-Tankstellen im Schnitt auf 1,51.9 Euro, der für Diesel auf 1,48.2 Euro. Im Dezember betrugen die Durchschnittspreise an unseren Tankstellen dann nur noch 1,10.8 Euro je Liter für Super und 1,06.3 Euro für Diesel. Der ungeheuer schnelle Preisverfall in den letzten Monaten des Jahres war die Ursache dafür, dass wir im Jahresdurchschnitt keine wirklich befriedigende Marge erzielt haben.
Wachstumsstärkster Kraftstoff war einmal mehr Autogas, bei dem wir 2008 an den Westfalen-Tankstellen etwa 67 Prozent zugelegt haben. Begünstigt wurde Autogas durch eine Preisdifferenz zu Superkraftstoff, die zeitweilig fast 80 Cent pro Liter betrug.
Abseits des Kraftstoffgeschäfts, also im Shop und bei den Wäschen, erzielten wir durchweg verbesserte Ergebnisse, die jedoch die Ertragsminderungen bei Kraftstoffen nicht kompensieren konnten.
Die Westfalen Service Card, die bereits 2007 rund 20 Prozent Zuwachs erzielt hatte, verbuchte auch 2008 ein Plus von 20 Prozent. Von der starken Bindung ihrer Nutzer an unsere Tankstellen und deren hoher Bereitschaft zu Folgekäufen im Shop profitieren vor allem unsere Tankstellenpartner.
Für 2009 sind zwei weitere Tankstellen-Neubauten - in Köln und in Düren - vorgesehen.
Investitionen
Schwerpunkt der Konzern-Investitionen war mit 46,0 Mio. Euro der Bereich Technische Gase. Im Wesentlichen betreffen diese den Liefervertrag mit Praxair und die neue Luftzerlegungsanlage in Frankreich.
Autogas war für Westfalengas 2008 auch unter dem Aspekt der Zukunftsinvestitionen das wichtigste Marktsegment: Der überwiegende Teil der Investitionen in Höhe von 5,6 Millionen Euro wurde hier angelegt.
In das Tankstellennetz wurden 2008 10,7 Millionen Euro investiert. Dazu gehörten drei komplette Tankstellen-Neubauten nämlich in Bissendorf, in Ahaus zusammen mit einem weiteren Burger-King® Restaurant und in Wuppertal. Außerdem haben wir 14 Tankstellen mit Autogas und drei mit E85 BioPower ausgestattet, sechs Bistros nach dem Lounge-Konzept erweitert und Waschanlagen modernisiert.
Ausblick
Für das Gesamtunternehmen gehen wir 2009 nicht von bedeutenden Beeinträchtigungen bei Absatz, Umsatz und Ergebnis aus. Bei den technischen Gasen wird es zwar bei einigen Kunden Absatzrückgänge geben, die Branchen- und Anwendungsvielfalt wirkt hier insgesamt jedoch stabilisierend.
Der lange Winter 2008/2009 sowie das wachsende Autogasgeschäft lassen für Westfalengas mehr Absatz und ein Ergebnis noch über 2008 erwarten.
Bei den Tankstellen ist eine Vorhersage wegen der hohen Preisvolatilität der Mineralölprodukte und des harten Wettbewerbs schwierig, bis jetzt bewegen wir uns jedoch im Plan.
Insgesamt rechnen wir für 2009 bei preisbedingt niedrigeren Umsätzen nicht mit einer bedeutenden Verschlechterung des operativen Ergebnisses.
Wir bleiben also wie immer verhalten optimistisch.
